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HOTTER FRAGT…WARD

Hotter fragt…WARD.

Malzeit! Stell dich mal vor.

Tag gesagt. Ich bin WARD aus Berlin und bin im östlichen Randbezirk aufgewachsen.

Wie kamst du zum Sprühen und was waren deine ersten Berührungspunkte mit Graffiti?

Ich habe schon früher in der Grundschule gerne irgendwelche Sachen auf die Schulbänke oder Toilettentüren gekritzelt. Das Gefühl, wenn alle es sehen, jedoch keiner weiß wer es war, fand ich damals irgendwie spannend. Im Jahr 2000 hat ein Kumpel von mir angefangen zu schmieren und steckte mich damit voll an. Seitdem sah ich überall in der Gegend Tag-Namen und Crews an den Wänden. Als ich das verstand war sofort klar: „Das machste auch…“

Was denkst du hat dich damals daran so fasziniert, dass du bis heute malst?

Graffiti heißt für mich: „Male deinen Namen und deine Crew!“

Das Faszinierende ist, egal wo ich die Straßen langlaufe oder auf welcher Bahnstrecke ich fahre, überall ist Graffiti zu sehen. Selbst wenn ich in eine andere Stadt fahre, oder in ein anderes Land fliege, überall sind Namen und Crew-Bilder die Präsenz zeigen. Dementsprechend will man selber auch etwas Präsenz zeigen und in dem ganzen Kuddelmuddel von Styles mitmischen. Auf der einen Seite kann man kreativ sein und etwas Eigenes schaffen, auf der anderen Seite befriedigt Graffiti meiner Meinung nach den Jäger- und Sammlertrieb. Zudem erlebt man Dinge, die die meisten scheinbar geradeaus denkenden Mitbürger niemals erleben werden. Diesem Gesamtpaket kann kein anderes Hobby das Wasser reichen.

Kannst du dich noch an dein erstes Bild erinnern?

Wie lief die Aktion damals ab?

Mein erstes Bild… Oh man… Da hab ich mich nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Das war so 2001 rum. Da bin ich mit nem Kumpel mit geklauten Autolackdosen in einer leer stehenden Kindergartenruine auf einen großen Balkon geklettert. Jeder malte sein Bild… Meins war ein SPC. Die Buchstabenkombination war wahllos, da ich nicht wusste was ich da mache. Hatte zuvor immer nur rumgetaggt. Nun hatte ich drei Farben am Start und musste irgendwas zaubern… Metallicrot, Metallicblau und Schwarz… Frag nicht nach Sonnenschein. Als Krönung fuhr auch noch eine Bullenwanne mit Blaulicht und Sirene die Straße vor dem Gebäude entlang und wir sprangen aus dem ersten Stock um zu entkommen. Das war natürlich eine absolute Luftnummer, die Bullen fuhren ganz woanders hin aber wir hatten unsere Action…

Wer hat dich damals inspiriert?

Damals waren ganz klar TEIN und INCH die Vorreiter im Stadtbezirk. Dann natürlich Crews wie LOFD, TRB, CPS usw. Das waren die großen Nummern, die Maßstäbe gesetzt haben und jeder geflasht war.

Viele versuchen den Oldschool-Flavour auch heute noch zu malen. Was hältst du davon?

Hm. Gute Frage… Es gibt schon Einige, die mit Ihrem Bombingstyle diesen typischen 90er Flavour nachmachen. Jedenfalls meinen das immer alle, wenn sie solche Bilder sehen. „ Boa sieht das Oldschool aus!“ Aber das beschränkt sich meist nur auf Standard-Bilder oder einfach gehaltene Styles. Diese Oldschoolwildstyles mit Tausend Verbindungen und Pfeilen in jede Richtung malt dann irgendwie doch keiner mehr. Es sei denn, es ist ein echter Oldschooler. Oder es wird mit den letzten Trashdosen gemalt, wo das Bild dann gleich aussieht, als wäre es zwanzig Jahre alt. Außerdem kommt es auch darauf an, wer was mit Oldschool verbindet. Für mich ist Oldschool dieses „Anfang der 90er Ding“ wo viele diesen typischen ODEM-Style gemalt haben. Für andere ist Oldschool dieses „80er Jahre New York-Ding“ wo noch ganz anders gemalt wurde. Im Endeffekt liegt es im Auge des Betrachters.

Stichwort Antistyle. Witzig und Kreativ oder eher Augenkrebs für dich?

Sehr gute Frage… Ich entscheide mich da ganz klar für „Witzig und Kreativ“. Meiner Meinung nach wird der Begriff „Antistyle“ nur von Leuten benutzt, die mit neuartigen Graffitieinflüssen nicht viel anfangen können. Da wird dann gesagt: „Graffiti muss sauber sein“ und dann werden gleich eine Hand voll Regeln aufgezählt, in dessen Rahmen sich Graffitistyles aufzuhalten haben… Alles Quatsch!

Nennen wir es „Graffiti mit anderen Schwerpunkten.“ Pfeif mal auf Sauberkeit. Das Gesamtbild muss stimmen. Hab mal Gefallen daran Standardcaplinien durch zu rotzen ohne groß abzusetzen. Bau mal ne coole Idee in die Buchstaben ein. So kommt man der Sache näher.

Die meisten Sprüher, mich eingeschlossen, haben ihre ersten Bilder mit Skinny-Cap’s gemalt. Da ging es immer darum, schön sauber zu malen und die Outline schön zu Recht zu cutten. Ganz schnell hat man sich fürs Malen ein paar Grundsätze und Regeln aufgestellt, nach denen dann Jahre lang gemalt wird. Diese Regeln halten dich unter Umständen gefangen und können einen unkreativ machen. Graffiti sollte doch aber grenzenlose Freiheit bedeuten!!! Also über Bord mit den Regeln.

Lieber mal minimalistisch denken und die Buchstaben dem Spot anpassen. Manchmal ist weniger mehr. Hauptsache man ist am Ende zufrieden und hat seine Ideen umgesetzt.

Welche Maler zecken dich heutzutage?

Es gibt so viele gute Sprüher heutzutage, dass ich es schwer sagen kann. Maler wie ROY oder KRIPO haben auf jeden Fall dick Respekt verdient. Am meisten geben mir aber die Sprüher aus meinem näheren Umfeld. Da hab ich mehr Bezug zu.

Wie wichtig ist dir deine Crew?

Meine Crew?… Die ist mir sehr wichtig. OWE besteht seit Jahren schon nahezu aus denselben Mitgliedern. Da kommt auch so schnell keiner rein. Wir haben schon immer Wert darauf gelegt, dass wir nicht nur Graffiti zusammen machen, sondern auch so viel Zeit miteinander verbringen. Nichts ist besser als ein kleiner Haufen Jungs, die genau so denken wie ich. Eine Art zweite Familie, wo man für einander da ist. Man entwickelt sich gemeinsam weiter. Ich bin sicher, dass mich dieser Kreis mein Leben lang begleiten wird. Schließlich haben wir schon eine Menge erlebt, was zusammenschweißt.

Was macht für dich ein gutes Bild aus?

Ein Bild sollte stabil, proportional und leserlich dastehen. Die Buchstaben müssen schon zur Geltung kommen. Schließlich will man ja seinen Namen oder seine Crew präsentieren. Wenn sich die Farben gut vom Untergrund abheben und ein interessanter Flow im Outlinestyle zu erkennen ist, sind die wichtigsten Punkte erfüllt. Der Rest ist Geschmackssache…

Wie sieht eine typische Aktion bei dir aus?

Eine typische Aktion… Ich treff mich zu vorgerückter Stunde mit ein oder zwei meiner Jungs. Erst wird sich ausgiebig beraten, dann geht’s los zu nem Streetspot. Mauer, Rollladen, was auch immer. Vor Ort wird kurz die Lage eingeschätzt. Wo können Gefahren lauern und welcher ist der dazu geeignete Fluchtweg… Dann geht’s auch schon los. Einer zieht vor während der Zweite anfängt auszufüllen. Der Dritte checkt oder hilft gegebenenfalls mit. Das geht Ratz-Fatz und das Ergebnis ist ein stabiles Bombing. Wenn alles ohne große Zwischenfälle über die Bühne geht, war es eine gelungene Aktion.

Erzähl mal ne lustige Malergeschichte.

Beim Malen hab ich schon viele lustige Dinge erlebt, aber das als Geschichte zu erzählen…

Ich hab mal irgendwann nach Jahren wichtige Lektüre nachgeholt und das „ODEM on the RUN“-Buch gelesen. Dort schrieb er unter anderem eine Bottaktion beim Kiste machen in einem bekannten Trainspot. Er rannte die Böschung hoch, sprang über den Zaun und stand vor zwei großen unüberwindbaren Pipelines. Also rannte er nach rechts zwischen Zaun und Pipeline entlang, bis ihm der Weg von einem weiteren Zaun versperrt war. Als letzten Ausweg zwängte er sich zwischen Boden und Pipeline hindurch und konnte entkommen. Als ich das las, musste ich lachen, denn er beschrieb genau denselben Weg, den ich dort auch schon mal langbotten musste… Manche Dinge ändern sich halt nie.

Wie warst du damals im Kunstunterricht?

Ist schon voll lange her… Wenn was gemalt werden sollte, war ich immer recht gut. Meine Bilder wurden auch des Öfteren in der Schule auf den Gängen ausgehängt. Die Zensur auf dem Zeugnis war allerdings nie so wirklich gut. Hab mich halt nicht immer an die Regeln im Unterricht gehalten. Hat aber Spaß gemacht.

Hast du noch irgendwelche Ziele?

Ich hab jetzt kein bestimmtes Ziel vor Augen. Die Herausforderungen kommen ganz von alleine. Trotzdem wünsch ich mir für die Zukunft viele gute Ideen und dass mir die Kreativität nicht ausgeht. Die Zeit wird zeigen, in welche Richtung sich das Ganze noch entwickelt. Stillstand kommt auf jeden Fall nicht in Frage.

Noch ein paar abschließende Worte?

Ich bedanke mich für die Aufmerksamkeit und lasse noch ein paar Grüße da:

Erstmal an das Team EWOS und die BUDDYS.

Dann ganz klar an meine OWE, ACF, JKL Jungs.

an KNS und die JIFF BOYS.

327ers, CRN.

OLZ, WDS, SLG.

Und nicht zu vergessen 64er KES.

Macht’s gut

 

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