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HOTTER FRAGT…SUID

Hotter fragt…Suid

Malzeit! Stell dich mal vor!

Tach gesagt! Man nennt mich SUID 😉 Im Osten Berlins bin ich groß geworden und hier leb ick och weiterhin.

Wie bist du damals auf Graffiti aufmerksam geworden und welche Bilder haben dich beeindruckt?

Angefangen hat es damals in der 6.Klasse, mit dem Logo von meinem Vater seiner Firma wo er arbeitete. Dann nachdem UNS, meinem Bruder und mir, der da ebenfalls noch in meiner Klasse war, die Frau Geschichtslehrerin kopierte „Rapschriften“ gab. Sie wollte Ihren Unterricht lieber ungestört machen und uns so mit malen beschäftigen damit wir nicht weiter stören. Danach gab´s bei uns paar mal Toiletten putzen und so. Sommerferien waren wir dann jeden Tag an den Lines, auf den Rohren, in Baracken und malten mit dem was wir hatten, überall. Alles sehr Toy! Aber viel. Da war ich eigentlich auch von Allem was ich sah beeindruckt. Ich fand es Hammer an den abgelegensten Orten zu sehen,  wer da anscheinend auch schon alles war! Jedenfalls lernten wir ziemlich schnell durch Projekte, die von Strassensozialarbeitern veranstaltet wurden, ältere und erfahrenere Sprüher kennen. Dann kam schnell die Dose, dass Racken und alles volltaggen.

SUIED

Erzähl mal von deiner Sturm- und Drangzeit!

Sturm und Drangzeit ….. ja die hatte ich eigentlich dann ab 2003. Wo es anfing täglich die Lines zu erkunden, mit 2 Farben bewaffnet (geklaute/gefundene Dosen & Streiche:D). Den ganzen Tag auf Achse. Und es war nicht selten, dass ich am Tag in über 10 verschiedenen Verkehrsmitteln saß, wo ich alles, aber wirklich alles, vollschmatterte. Man machte sich halt keinen Kopf. Bat die Leute oft sogar, ob sie sich mal umsetzen könnten, sonst tropft die Farbe gleich. Dreist kam durch! Später wartete ich, dass meine Eltern endlich ins Bett gehen um mich raus zu schleichen und die Strassen zu Bomben…Mein jugendlicher Leichtsinn führte mich aber auch zu etlichen Hausdurchsuchungen, Gerichtsverfahren, Strafstunden und und und …8 Monate Jugendstrafe. Trotzdem rede ick mir ein, Alles in Allem gut weggekommen zu sein!? Extrem ging es 7-8 Jahre lang weiter, danach fing ich erst an vorsichtiger zu sein. Heutzutage schon fast zu vorsichtig, leicht Paranoid sogar.

Wie konnte man sich damals eine typische Woche vorstellen?

Eine typische Woche sah für mich so aus, dass ick unter der Woche mindestens 1 mal ,optimaler Weise 2 mal, Bomben ging. Selten gabs nur eine Stelle für die Nacht. Dann gabs noch den Sonntag, wo ick bei akzeptablem Wetter das Wochenende am liebsten an ner Hall ausklingen ließ. Wenn beides nicht klappte, war ick damals auf dickere Sachen scharf.

Wenn du an Berlin denkst, was macht die Stadt für dich aus?

Denke das Leben allgemein. Das man selbst Nachts unter der Woche selten alleine ist. Und „überall“ etwas(!) los ist. Man findet hier, egal in welcher Richtung, eine Lösung. Wenn man will.

Wenn du zurückblickst, was war die lustigste Action die dir einfällt?

Eine die ich am meisten feier war: Mein Kumpel und ich hatten vor, auf´m Fahrrad mit einer Leiter + Streiche und Dosen ein bissl was bei uns in der Hood zu starten. Wir klauten uns erst die Bikes vom Bahnhof und fuhren dann die Tramlinie zu einem eingerüsteten Block, wo wir die Leiter stibitzen wollten. Ne Ecke weiter wohnte mein bester Kumpel. Unter seinem Fenster knallte ich, bevor wir die Leiter abholten, kurz ne Überraschung für ihn (T-Up).

Da wir mehr wie nur voll bepackt waren, fielen wir anscheinend schon kurz vorher auf. Denn gerade als wir dann mit der Leiter auf´m Fahrrad saßen, kam aus dem Haus von meinem Freund ein leicht aufgeregt wirkender Mann, mit kahlem Kopf auf uns zu. Bevor er aber etwas konkretes sagen konnte,  zeigte ich in Richtung des Hofes von seinem Block und meinte: „da sind sie lang.“ Kein Plan wie das in dem Moment rausrutschte, aber der Hooligan glaubte mir und lief zügig an uns vorbei. Direkt zum Hof.

Wir dann also die Leiter wieder in die Hand genommen und jetzt nur nich hektisch werden, aber.. LOS,LOS,LOS!!! Genau in diesem Augenblick, kam von der anderen Seite nen brabbelnder Rentner mit Telefon in der Hand und der Hooligan vom Hof zurück, bekam den Opa aber noch nicht wirklich mit. Mein Kumpel und ich sahen uns nur kurz an, schmissen die Leiter weg und radelten los. Eine Tramstation weiter, in einer dunklen Ecke hielten wir an. Wir aßen ein paar Chips und überlegten kurz.

Erstmal weiter weg. Wir fuhren 10 Meter, dort war dann fast die Haltestelle und ein kleiner offizieller Übergang und natürlich Licht. Genau als wir ins Licht kamen und am überkreuzen der Schienen waren, kam uns mit Karacho der Hooligan auf seinem Fahrrad entgegen geschossen! Mein Kumpel musste nach links ausweichen, ich musste hart nach rechts ausweichen und kräftig treten .Blöderweise befand ich mich jetzt zwischen den Strassenbahnhaltestellen und mit Fahrrad auf losen Schottersteinen. Richtig zu fahren war da nicht möglich. Mit einem Streicheeimer am Lenker erst recht nicht! Ich trat glaub 3-4 mal richtig durch und machte einen endlangen Schritt über den Bahnsteig von der Haltestelle. Sprang dann an der gleichen dunklen Ecke, tief ins Gebüsch und versteckte mich.

Ich lag dort glaube fast 3 Stunden und konnte zu gucken wie immer wieder mehrere Taschenlampen die Schienen abäugeln, wie das noch tropfende Fahrrad von den Tramfahrern Stadteinwärts-auswärts-einwärts auf die entgegengesetzte Richtung gelegt wurde, weil die sich zu fein waren es hoch zu heben 😀 War leicht unterhaltsam, trotz Paranoia. Denn zwischendurch war auch an den Gebüschen neben mir längeres rascheln zu hören. Irgendwann bin ich dort dann über mehrere Kleingärten weg und habe mit großem Umweg das Zuhause von meinem Kumpel angesteuert. Aufm Weg, fast am Ziel, bemerkte ich das ich was verloren hatte. Die Cam, die ich nicht haben durfte. Von meiner Mutter. Ich also nochmal zurück, wieder durch genau die Kleingärten gekrabbelt wie vorher und im Dunkeln grob geguckt. Zum Glück, aber erst da wo ich so lang lag, lag die Cam. Als ich endlich bei meinem Kumpel angekommen war erzählte er mir, er hat im Endeffekt 10 Meter neben mir im Gebüsch gehockt und war seit 3 Stunden zu Hause. Er dachte mich hätte der Hooligan bekommen.

Hast du noch irgendwelche Ziele in puncto Graffiti?

Direkte Ziele nicht, Nein. Der Weg ist das Ziel!!! Ich denke Man sollte nie aufhören rum zu experimentieren und somit ist das Ziel nicht mal ansatzweise klar 😉 Graffiti ist meine Einstiegsdroge und ein Teil von mir geworden. Und wer weiß, vielleicht haben meine Sachen in 10 Jahren nix mehr mit „dem Graffiti“ zu tun. Ohne Buchstaben, kein Plan. Alles noch offen. Hauptsache Zufriedenheit im Allgemeinen

DIUS WARD

Wie warst du damals im Kunstunterricht?

In der Oberschule fast gut, befriedigend. Sich an andere Regeln in Sachen Kunst zu halten, fällt mir nicht leicht. Ich probier dann meist gleich etwas, wo ich dann im Laufe des Prozesses, die Regeln bzw.  meine Idee spontan ändere. Inna Lehre als Werbetechniker hat man sehr viel mit Schrift, Buchstaben und den Schriftregeln zu tun. Sah ich oft alles anders. Haha. Genau wie beim „perfekten Buchstaben“. Ich feier gute Antiproportionalität und einmalige Sachen ohne „grobe Regeln“ zu brechen?! Derzeit aber arbeite ich als Assistierender im Atelier und kann genau das machen.

DIUS

Noch ein paar abschließende Worte?

Natürlich! Erstmal danke für deine Zeit, dein Interesse. Nicht nur dir, sondern EUCH. Und dann: Greetz An alle Graffer! Macht euer Ding! Zieht durch und bleibt friedlich.

High 5 an die PABnasen & GhOstBusters !

Zu Guter Letzt fette Grüße an meinen Bruder;) Evok, B.Olek, die HSHustler, L-BerGer und Ost-Berliner. All meinen Wegbegleitern…danke

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