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HOTTER FRAGT…RUME

Hotter fragt…Rume.

 

Malzeit. Warum der ganze Stress und nicht ein entspanntes Hobby?

Gibt halt wenig Hobbys, die so facettenreich sind, wie dieses. Man kann sich selber ausdrücken, in Form und Farbe und ist dabei meist draußen oder in der Natur. Man kann es gemeinsam mit seinen Leuten ausüben und sich austauschen, erlebt Situationen die so für den „Otto Normalbürger“ gar nicht greifbar oder vorstellbar sind. Oft ist es stressig aber bringt auch viel Ausgleich für mich mit sich und man kann seine künstlerischen Vorstellungen auf verschiedene Weisen ausdrücken oder auch ganz stumpf Doppelhand Chrom was „wegmetern“, ohne auf etwas besonders achten zu müssen.

 

Wenn du so zurückdenkst. Warum hast du angefangen und wieso bist du noch dabei?

Ich kam schon recht früh mit der Materie Graffiti in Kontakt. Damals in der Kindheit, immer an der „Grenzstreifen“ Hall in Lichterfelde spazieren gewesen mit den Eltern. Das war ein alter Brückensockel wo immer recht viele gemalt hatten. Dort mit gefundenen halbleeren Dosen rumgeschmiert und schon fasziniert gewesen, obwohl man noch viel zu jung war um das große Ganze zu sehen.

Über die Jahre hinweg, hatte sich das Interesse in diese Richtung noch verstärkt und ich kam immer mal wieder, oft durch Zufall, wieder in Berührung mit diesem Hobby. Es gab immer jemanden in der Klasse, der auch gemalt hat und einen dazu motivierte, besser zu werden, sodass man mehr Zeit dafür investierte. So zog es sich von der Grundschule bis Abitur/Ausbildung durch. Mittlerweile ist es ein selbstverständlicher Teil geworden, den man in seinen Alltag bzw. Beruf eingebaut hat.

Erklär mal mit 3 Adjektiven was Graffiti in dir auslöst und warum.

ekstatisch verlockend“ – Graffiti löst für mich einen gewissen Suchtfaktor aus, der einen fesselt und in seinen ganz eigenen Bann zieht.

instinktiv“ – Man handelt oft ganz instinktiv. Sowohl bei brenzligen Actions oder auch beim Malen zieht man Linien oft ganz aus dem Gefühl heraus.

individuell“ – Jedes Graffito hat Persönlichkeit. Man kann sich selbst in seiner eigenen bzw. einer Parallelsprache, die nicht jeder unbedingt verstehen muss, ausdrücken.

Style, Outline oder Farbcombo. Was ist für dich am Wichtigsten? Oder macht’s die Mischung?

In erster Linie zählt der Style. Wie die Buchstaben zueinander stehen und ein spannungsvolles Gesamtbild ergeben. Zum anderen die Linienführung der Outline. 100-mal ausgebesserte und gecuttete Outlines sind nichts gegen eine selbstbewusst sitzende Linie die Charakter hat, auch wenn mal was nicht millimetergenau sitzt. Daher habe ich mich eine zeitlang nur auf Outliner konzentriert und diese auf einen bunten Untergrund gesetzt. Sowohl auf Wand als auch Train: „ da muss alles beim ersten Mal sitzen und man kann viel freier und schneller arbeiten“. Die Farbkombi sollte dabei nicht vernachlässigt werden. Aber über die Jahre habe ich gemerkt, dass weniger mehr ist. Viele packen ihren Style mit extrem vielen Farbelementen voll. Dabei gehen Outline und Buchstaben völlig unter. Farben können viel rausholen und unterstützen, sind aber ohne stimmigen Style auch nur Mittel zum Zweck.

 

Erzähl mal sone richtige Scheißaktion und wie du trotzdem weggekommen bist.

Grenzwertige Situation gab es schon ein paar. Das bringt halt die Illegale Ausübung mit sich. In Verbindung mit Unmengen von Alkohol ist halt schon mal einiges fast schiefgelaufen.

Ein paar von meiner Crew, inklusive mir und einer befreundeten, wollten eigentlich nur an der Line eine Stelle machen. So ein öder Bauwagen war das eigentliche Ziel. Waren schon voll spät dran und alle Mann viel zu voll. Auf dem Weg zur besagten Stelle, ich hatte es schon vermutet, stand doch ein Train in einer eigentlich nicht mehr aktiven Abstellkehre. Nun waren wir schon vor Ort und alle heiß drauf was zu machen. Somit war die Umstellung des Planes eine klare Sache: Train! nicht Bauwagen!

Nach kurzer Besprechung des Schlachtplanes hatte jeder seine Aufgabe und wir checkten das Gelände. Wir waren spät dran und mussten Abstriche machen bei der Gründlichkeit, dazu kam noch der etwas erhöhte Promillegrad damit wurde es nicht leichter. Als sich alle auf Sichtweite zum Zug zusammen gefunden hatten, entschieden wir nach einer kurzen Diskussion und Ablaufen des Objekts der Begierde es durch zu ziehen. Bis dahin hat auch nichts dagegen gesprochen.

Nach 10 Minuten relativ lautstarken Malens, bemerkte ich das ungute Geräusch eines herannahenden Helikopters. Da wir alle total raus waren, wurde dies direkt als Schwachsinn abgetan und wir zogen weiter den Plan durch, war ja noch ne Menge zu schaffen: bunte Crews, End2End hieß das Ziel. Gegen Ende wurde das Gefühl schlechter und der Helikopter flog nach wie vor über unseren Köpfen, dazu kamen einige seltsame Automotoren in der Umgebung. Ich ahnte schon dass gleich der Spaß vorbei ist.

Nach einem lauten Streit über die Secondline Farbe waren wir fertig und die erste Truppe von uns stolperte los Richtung Ausgangspunkt. Ich beschloss etwas versetzt zu laufen und den Beutel wegzupacken und dann aufzuschließen. 50 Meter weiter tat ich das. Gleichzeitig bemerkte ich, dass sich mittlerweile 2 Leute auf 20 Meter an uns rangepirscht hatten. Damit waren die anderen auf sich gestellt.

Sobald ich sie entlarvte, ging auch schon ein Lichtermeer von Taschenlampen an. Noch 2 Kumpel von mir gegriffen und meinen waghalsigen Notfallweg mit Voll Sprint angelaufen. Nach 3 Zäunen und leichten Verletzungen waren wir erst mal etwas aus dem Bereich weg. Nur der Helikopter war hartnäckig. Es hieß unter die Brücke, Ruhe bewahren…dann weiter humpeln in eine Kneipe. Stunden gewartet… alles gut puh!

 

Kannst du dich noch an dein erstes Bild erinnern? Wie scheiße liefs?

Das erste Bild lief noch nicht so rund, keine Ahnung von Caps, vorziehen, cutten oder generell dem Aufbau eines Bildes mit Dose gehabt, war eher Frust pur!

Hat mich aber auch motiviert alles zu erlernen, sich selber zu besiegen nicht gleich hinzuschmeißen. Hier passt dann wieder der übliche Spruch: „Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.“

Deine 3-D Blöcke sind schon speziell. Woher kam die Idee dazu Sie als Buchstabenerweiterung zu nutzen?

Ich habe lange Zeit klassische Blöcke gemacht bzw. mit Fluchtpunkt, ist mir irgendwann zu eingeschränkt gewesen, aber ohne das Element „Block“ hatte immer was gefehlt. Hab mich dann dran gemacht aus sowas typischem wie Blöcken was Eigenes zu entwickeln, was nicht so beschwert und dabei auch schneller und instinktiver an den Style zu bringen ist. Jemand hat sie mal als „Future Blocks“ betitelt, seitdem hat sich der Begriff irgendwie bei mir etabliert . Mittlerweile gibt der Style den Block vor und ich weiß fast nie, wo am Ende ich genau welchen Block hinmache. Muss halt einfach eine gute Unterstützung darstellen und Dynamik reinbringen.

Zackig, eckig, rund und dünne Linien. Deine Buchstaben sind ne Mischung aus Allem, außer Oldschool-Elementen. Stehst du mehr auf futuristische Optik?

Futuristische Optik ist schon sehr mein Ding und hat mich schon immer inspiriert eine moderne Gesamtwirkung zu erzielen. Hole mir oft Inspiration von Designern und gerade aus der Automobilbranche. Oft nur Ecken, manchmal ganze Farbschema die mich ansprechen und die ich umsetzen möchte. Feier auch Oldschool Bilder, gibt auch einige in meiner Crew die eher klassische Sachen bevorzugen, aber für mich selber bevorzuge ich eher das „Abstrakt Moderne“.

Dunklet Fillin, helle Outline. Für dich der Beste Knaller-Kontrast oder wie kommts?

Auf jeden Fall immer ein Hingucker wenn die Outline Farbe raussticht. Am Anfang gab es verschiedene Gründe warum ich oft eine „negative„ Farbkombi verwendet habe. Zum einen, weil es nicht so viele gab die es auch so kombinierten, zum anderen war es bei Dunkelheit oder schlechten Lichtverhältnissen am Train am besten um eine saubere Outline zu machen. Dazu kommt noch die Aggressivität der Buchstaben besser raus, wenn man dunkles Fill-in verwendet und düstere Töne. Alles Geschmackssache. im Moment hält es sich die Waage mit der Auswahl heller oder dunkler Outlines.

 

Welche Bedeutung haben Sketches und Taggs für dich?

Schnelles Arbeiten, spontan Ideen festhalten. Dafür sind ab und an Sketches zu machen ein produktiver Zeitvertreib. Taggs drücken für mich viel aus und man kann sofort sagen von wem es ist oder welchen Style der Urheber verfolgt. Dennoch oft störend bei Trains oder Wandkonzepten. Neben einem sauberen Style muss nicht unbedingt ein riesen Tagg oder 10 Crews plus Grüße stehen, da geht meistens das Gesamtbild unter wenn sie nicht gut gesetzt sind. Sonst ist der gute Marker immer in der Tasche und treuer Begleiter.

Malst du lieber Freestyle oder ist dir ne Skizze wichtig? (Wenn du mit Skizze malst, nur am Train oder auch an der Wand?)

Bei mir schwierig zu sagen. Ich mache mir gern vorher eine Skizze von einzelnen Buchstaben oder der groben Aufteilung. Oft auch nur Kugelschreiber und eher so Brainstorming für mich selber. Bei na Wand nehme ich die schon manchmal mit, wenn mir zu viele Ideen im Kopf rumfliegen bzw. auf der Skizze sind, damit ich auch alles unterbringen kann was ich mir vorgenommen hatte. Am Train eher störend und leichtsinnig sowas bei zu haben. Da behalte ich es lieber im Kopf und lege mir vorher was zurecht. Sonst investier ich die Zeit eher in die ein oder andere Schablone. Der Rest erfolgt Freestyle effektiver und schneller!

 

Wie warst du damals im Kunstunterricht?

Immer mein Lieblingsfach gewesen und hat den Notendurchschnitt ganz gut gehoben bei den Zeugnissen die nicht so dolle waren. Eigentlich seitdem ich so denken kann, klarer Einser Kandidat. Wurde bereits ab Oberschule aber langweilig, mehr Interesse in andere Richtungen gehabt, so dass der Unterricht von meinen eigenen Kunstprojekten oft gestört wurde.

Wie wichtig ist dir deine Crew? Und was macht Sie für dich aus?

Für mich ein sehr wichtiger Teil sowohl Wegbegleiter, als auch Freunde über die Jahre geworden. Würde oft nicht so viel Spaß machen und so manche Actions wären undenkbar, wenn man ohne seine Leute agiert. Ein „Style-Tief„, wenn was nicht gelingen will, da bringt immer einer aus der Crew einen wieder auf Fokus und man kriegt neue Ideen und Feedback. Positive Resonanz von der Bande beflügelt ein immer wieder aufs Neue und man hat Lust auf neue Crewprojekte. Auf der anderen Seite sind sie auch unabhängig vom Mikrokosmus Graffiti am Start und man unternimmt viel Zeug, geht einen Trinken und betreibt Kneipensport. Da heißt es dann: „WARLORDZ on DRUGZ´N´BEER!“

 

Andere Länder, andere Sitten. Warst du schon viel im Ausland unterwegs? Wo hat´s dir am besten gefallen?

Ein bisschen ist man rumgekommen, aber bin nicht wirklich der ernsthafte „Interrail-Typ“ der sich jedes gemalte U-Bahn System abhakt. Tapetenwechsel ist dennoch erholsam und inspiriert zu neuen Taten. Polen und Tschechien sind immer einen Besuch wert: gutes Bier, gute Preise, coole Locals.

Was macht für dich Berlin aus?

Hat sich über die Jahre für mich eher ins Negative verändert. Klar gibt es immer noch die üblichen Verdächtigen die immer mit starker Quote krasse Wände und Trains abliefern, aber der so genannte „Berlin Flavour“ zeichnet sich letztendlich heutzutage nur noch durch Chrom und Crossen aus. Kaum was innovatives und viel zu viel Einfluss durch zugezogene von außerhalb.

Wie sieht für dich ein perfekter Tag aus?

Bezogen auf das Thema, würde ich eine geile gelunge Action mit der Crew sagen, danach ab in die Kneipe und gute Stimmung genießen und einen Trinken, morgens mit aufgehender Sonne die erste Tour der Karre abpassen, genießen, Fotos und ab nach Hause zur Frau. Aber gegen einen geilen Hall Tag an der Wand mit Grill ist auch nichts einzuwenden 😉

 

Zum Schluss nochn paar Grüße?

Grüße gehen raus an: Asik, Amoe, Bugle, Kerd, Gruk, CarlsonColucci, Tazz, Jagon, Daks, Ench, Besp, Boo, Möf 41, AS Crew, Trosk, Ghost, NRD Crew, Ruek, Dual, Kolt HGS, Jenko CSE, Zok, Caok LTX, FUA Crew, RZK Crew und an alle die ich vergessen habe!

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